„Er hat es nur auf dein Haus und dein Vermögen abgesehen“, sagte die Wahrsagerin, und ich beschloss, meinen Verlobten noch vor der Hochzeit auf die Probe zu stellen. Und das nicht ohne Grund. Maren war gerade 35 geworden, als sie im Dezember als leitende Buchhalterin bei einem Bauunternehmen in Potsdam arbeitete. Sie verdiente gut, lebte aber bodenständig.

Nach dem Tod ihrer Eltern vor drei Jahren war das Haus in der Waldsiedlung bei Werder ihr Ein und Alles. Ihr Vater hatte es selbst entworfen, ihre Mutter hatte es mit Liebe gefüllt. Maren hatte fast 100. 000 Euro in die Renovierung gesteckt, und der Wert des Hauses war auf rund 800.
000 Euro gestiegen. Auf ihrem Konto lagen noch etwa 150. 000 Euro Ersparnisse. Im Mai, als der Flieder blühte, traf sie im Gartencenter einen Mann.
Er fragte sie nach Blumen für schattige Plätze. Er hieß Veit, war Architekt, geschieden, und wirkte charmant und aufmerksam. Sie unterhielten sich über eine Stunde, und er bat um ihre Nummer. Maren zögerte, aber sie gab sie ihm.
Veit rief am nächsten Abend an und lud sie zum Essen ein. Das Date war perfekt. Er war galant, belesen, interessierte sich für Kunst und Theater. Er zahlte immer, hielt ihr Türen auf und drängte sich nicht auf.
Maren fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren wieder begehrt. Nach drei Wochen lud sie ihn zu sich nach Hause ein. Er bewunderte jedes Detail des Hauses, die geschnitzte Treppe, das Buntglasfenster, die alte Standuhr. Er sagte: „Du bist ein glücklicher Mensch.
Du hast ein Zuhause mit Geschichte und Seele. “ Er blieb über Nacht, und die Beziehung wurde schnell ernst. Veit zog nach und nach bei ihr ein. Er reparierte das Gartentor, pflanzte Rosen unter ihrem Fenster und kochte ihre Lieblingspasta.
Maren war glücklich. Zum ersten Mal seit dem Tod ihrer Eltern fühlte sie, dass das Haus wieder lebendig wurde. Doch es gab Warnsignale. Eines Tages sah Maren auf seinem Handy eine Nachricht von „M“: „Na, hat sie angebissen?
Wann ist die Hochzeit? “ Sie fragte nicht nach, aber ein Steinchen blieb im Schuh. Drei Monate nach dem Kennenlernen machte Veit ihr einen Heiratsantrag. Maren sagte Ja.
Die Hochzeit wurde für November angesetzt. Doch Veit drängte darauf, das Haus in Miteigentum umzuschreiben. Maren lehnte ab, und sie spürte einen Schatten von Verärgerung in seinem Gesicht. Eine Nachbarin, Frau Lehmann, erzählte Maren, dass sie Veit schon vor vier Monaten in der Siedlung gesehen hatte, wie er Häuser fotografierte und nach Preisen fragte.
Veit erklärte es mit der Suche nach einer Mietwohnung und beruflichem Interesse. Maren glaubte ihm, aber ihre Zweifel wuchsen. Dann rief Sibille, ihre beste Freundin, an. Veit hatte sie hinter Marens Rücken nach deren Finanzen ausgefragt.
Sibille war misstrauisch. Maren konfrontierte Veit, aber er redete sich mit einer Überraschung für die Hochzeit heraus. Maren konnte nicht mehr schlafen. Sie beschloss, eine Wahrsagerin aufzusuchen, die Sibille empfohlen hatte.
Frau Wagner, eine alte Dame in Berlin, sah Maren an und sagte: „Dieser Mann ist nicht der, für den er sich ausgibt. Er ist nicht wegen der Liebe bei dir. Er ist wegen deines Hauses da. “ Sie erzählte die Geschichte ihrer Nichte, die von einem Heiratsschwindler um ihre Wohnung gebracht worden war.
Maren kehrte nach Hause zurück und durchsuchte Veits Sachen. Sie fand Fotos von ihrem Haus, aufgenommen im Winter, lange bevor sie sich kannten. Dazu einen Zettel mit seiner Handschrift: „Werder, Siedlung am See, Haus zweistöckig, Backstein, Grundstück 2000 qm, Wert ca. 750–850K, alleinstehend, Eltern verstorben, keine Erben, erfolgversprechende Zielperson.
“
Maren war am Boden zerstört. Sie war für ihn nur eine Zielperson. Sie beschloss, still zu bleiben und weiter zu ermitteln. Sie rief im angeblichen Arbeitsplatz von Veit an – dort kannte ihn niemand.
Sibilles Freundin bei der Polizei fand heraus, dass sein Ausweis eine Fälschung war. Der Mann, den sie heiraten wollte, existierte nicht. Maren konfrontierte Veit. Sie nannte ihm alle Beweise.
Seine Maske fiel. Er gab alles zu: „Du bist klüger als ich dachte. Ich habe dich vorher ausgekundschaftet. Ich wollte einen Vorteil aus unserer Beziehung ziehen.
“ Maren befahl ihm zu gehen. Er packte seine Sachen und verschwand. Maren sagte die Hochzeit ab, tauschte die Schlösser und holte sich einen Hund. Sie dachte, die Sache sei vorbei.
Doch eine Woche später stand eine fremde Frau vor der Tür. Sie hieß Ina und war Veits Gehilfin. Sie warnte Maren: „Veit ist wütend. Er wird das nicht auf sich sitzen lassen.
“
Kurz darauf erhielt Maren einen Anruf von der Polizei. Veit hatte sie wegen Diebstahls von 20. 000 Euro und Schmuck angezeigt. Maren engagierte einen Anwalt, Dr.
Kastner. Sie legte ihre Beweise vor: die Fotos, den Zettel, die Zeugenaussagen. Die Anzeige wurde als Falschaussage eingestellt, und die Polizei suchte Veit wegen Urkundenfälschung und Betrugs. Einen Monat später wurde Veit festgenommen.
Er hatte versucht, eine ältere Witwe zu betrügen. Ihm drohten mehrere Jahre Haft. Maren fühlte Gerechtigkeit. Ein Jahr später traf Maren im selben Gartencenter einen Mann namens Thomas.
Er war Lehrer und suchte Rat für seinen Garten. Maren war vorsichtig, aber Thomas war ehrlich. Sie ließen es langsam angehen. Nach einem halben Jahr erzählte sie ihm ihre Geschichte.
Er hörte zu und sagte: „Du bist eine unglaublich starke Frau. “
Sie heirateten im kleinen Kreis in ihrem Haus. Als sie abends auf der Veranda saßen, fragte Thomas: „Bist du glücklich? “ Maren antwortete: „Ja, weil ich weiß, dass das hier echt ist.
“


