Svenja Bergmann erstarrte vor ihrer eigenen Wohnungstür. Sie hatte den Schlüssel in der Hand, doch hinter der Tür hörte sie eine fremde Frauenstimme lachen. Als eine junge Blonde in ihrem eigenen…

Svenja Bergmann erstarrte vor ihrer eigenen Wohnungstür. Sie hatte den Schlüssel in der Hand, doch hinter der Tür hörte sie eine fremde Frauenstimme lachen. Als eine junge Blonde in ihrem eigenen...

Es war ein kalter Novembermorgen in Berlin, als Svenja Bergmann im Stau stand und ungeduldig auf die Uhr sah. Sie musste zum Flughafen, ein Geschäftstermin in München stand an. Dann kam die Nachricht: Ihr Flug war gestrichen worden. Fluchend wendete sie ihr Auto und fuhr zurück zu ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg.

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Als sie vor ihrer Tür stand, hörte sie Stimmen. Eine junge Frau lachte, leise und flirtend. Svenjas Herz klopfte heftig. Sie klingelte, obwohl sie den Schlüssel in der Hand hielt.

Eine blonde Frau um die 27 öffnete ihr die Tür, eingehüllt in einen weinroten Bademantel – Svenjas eigenen Bademantel, den sie letztes Jahr gekauft hatte. „Sind Sie die Maklerin? “, fragte die Frau freundlich. Svenja hätte schreien können.

Stattdessen antwortete sie mechanisch: „Ja, ich bin Maren. “ Sie trat über ihre eigene Schwelle, als wäre sie eine Fremde. Im Wohnzimmer sah sie fremde Sneakers, eine Damenjacke am Haken und eine Zahnbürste mehr im Bad. Die Frau, Annika, plauderte munter: Jochen und sie wollten heiraten, das Standesamt sei gebucht, und der Umzug nach Charlottenburg stehe kurz bevor.

Sie hätten bereits eine Anzahlung für eine neue Wohnung geleistet. Svenja spielte ihre Rolle perfekt. Als „Maklerin“ erklärte sie, hinter dem Haus solle eine Autobahnzufahrt gebaut werden – eine reine Erfindung, doch sie klang überzeugend. Der Preis der Wohnung würde drastisch fallen, sagte sie.

Annika wurde blass. Sie gab ihr ihre Kontaktdaten, dankte artig und verabschiedete sich. Draußen lehnte Svenja an der kalten Hauswand und zitterte. Eine Stunde später stand sie bei ihrer Freundin Beate und erzählte alles unter Tränen.

In den nächsten Tagen reifte ein Plan in ihr heran. Jochen wollte die Wohnung verkaufen, um mit Annika ein neues Leben zu beginnen. Aber die Wohnung gehörte ihm, vor der Ehe hatte er sie erworben. Wenn sie die Wohnung selbst kaufen würde, zu einem stark gesenkten Preis, wäre sie gerettet.

Sie holte sich Kredite, ließ sich von ihrer Mutter Geld leihen – insgesamt kamen 115. 000 Euro zusammen. Doch es fehlten noch 135. 000.

Dann traf sie im Supermarkt zufällig Ansgar, ihre Jugendliebe und engen Freund aus Kindertagen, den sie zwanzig Jahre nicht gesehen hatte. Ohne lange zu zögern, erklärte sie ihm ihre Lage. Ansgar hörte schweigend zu und sagte dann: „Ich habe das Geld. Ich leihe es dir ohne Zinsen.

Und ich werde als Käufer auftreten. “ Svenja konnte es kaum glauben. Doch Ansgar blieb ernst: „Dieser Mann hat dich ausgenutzt. Ich helfe dir gern.

Svenja kehrte nach Hause zurück und stellte sich ahnungslos. Jochen verkündete ihr kalt, er wolle die Scheidung. „Verschwinde bis morgen Abend“, sagte er. Sie packte schweigend ihre Sachen und ging.

Wenige Tage später stand Ansgar als Interessent vor der Tür. Britta, Beates Schwester und echte Maklerin, begleitete ihn. Sie verhandelten den Preis auf 220. 000 Euro herab.

Jochen war sichtlich genervt, aber Annika drängte ihn zum Abschluss – die Anzahlung auf die neue Wohnung drohte zu verfallen. Sie unterschrieben. Nach der Scheidung verlangte Jochen eine Vermögensaufteilung beim Notar. Dort erfuhr er eine Überraschung: Svenja hatte während der Ehe Kredite über 70.

000 Euro aufgenommen. Nach dem Zugewinnausgleich war er verpflichtet, die Hälfte dieser Schulden zu übernehmen. „Das ist legal“, sagte der Notar ruhig, als Jochen tobte. Sie unterschrieben, er stürmte hinaus.

Wochen später erfuhr Svenja, dass Jochen bei keiner Bank einen Kredit bekam, weil seine Schulden zu hoch waren. Annika verließ ihn kurz darauf, weil er ihr die versprochene Wohnung nicht bieten konnte. Jochen rief sogar Ansgar an und wollte die alte Wohnung teuer zurückkaufen. Ansgar lehnte ab.

Im Frühling zog Svenja endgültig in ihre Wohnung. Sie warf alle Erinnerungen an Jochen weg, kaufte neue Möbel, neue Vorhänge. Sie fühlte sich frei. Die Beziehung zu Ansgar wuchs langsam weiter.

Sie zahlte ihm ihre Schulden in Raten zurück, jeden Monat ein Teil. Eines Samstags im April klingelte Ansgar an ihrer Tür, mit frischen Brötchen und Kaffee. Sie frühstückten gemeinsam in der warmen Sonne. Als er ihre Hand nahm, spürte Svenja, dass ihr langes Warten endlich zu Ende war.

Sie lächelte und dachte: „Das hier ist mein neues Leben. “